Als Hochzeitsfotograf auf dem Rittergut Lucklum und im Schloss Richmond – oder: das Eichhörnchen mit Hörschaden

Im Juni dieses Jahres war Braunschweig mein Ziel. Sanja und Thomas durfte ich bereits im April beim Vorgespräch kennenlernen und ab da freute ich mich um so mehr auf ihren Tag. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Danke, dass ich dabei sein durfte Sanja und Thomas.

 

So, was wirklich geschah; für die, die hier meine Story zur Hochzeit vermissen 😉 Überglücklich war ich über die Wettermeldung von gefühlten 35 Grad. Also packte ich mir 4 Wechselhemden und eine ordentliche Pulle Deo ein. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns kurz vor der Trauung am Schloss Richmond treffen – sollte ja kein Problem für mich sein. Pünktlich wie ich nun mal bin, lief bis hierher alles glatt. Das Schloss Richmond ist das bisher schönste Standesamt in dem ich je gewesen bin. Das Ding kann ich bedenkenlos weiterempfehlen! Hier traf ich dann auch meinen Begleiter für die nächsten 12 Stunden – Kevin. Kevin war so lieb, und hat für beide den Videografen gespielt. Natürlich habe ich Kevin erst einmal gefragt, was mit seinen Eltern gewesen ist. So nenne ich doch nicht meinen Sohn…, bei Kevin hatte das jedoch „britische Gründe“ und Kevin war auch kein typischer Kevin sondern schwer in Ordnung. Zum Glück. Es war sehr warm und die Standesamtliche Trauung lief für mich prima und entspannt. Nur Kevin – für ihn lief es leicht bescheiden, denn er hatte keine Ersatzspeicherkarte für seine Kamera dabei – natürlich habe ich ihm meine geliehen und spätestens seit dem waren wir Freunde 😉

Nach einem schönen Sektempfang ging es zu Thomas und Sanja in die Studentenbude. Fahrstuhl: Fehlanzeige. Also ging es zu Fuß hoch in den 5. Stock. Dumm nur, dass ich aus Versehen eine Etage zu hoch gegangen bin, sodass ich auf dem Dachboden stand – also 20 Stufen umsonst. Ich kann mich genau an die Anzahl der Stufen erinnern, da jede verdammte Stufe mit den beiden Kameras, Objektiven und bei dieser Hitze wie 50 wirkten. Leider habe ich die letzte Stufe ausgelassen und lag einmal komplett lang im Flur.

Klingeln musste ich nicht mehr, denn wenig Sekunden nachdem ich schnell aufgestanden war, machte mir die Trauzeugin die Tür auf: „Alles okay?“ – „Ja, klar – warum?!“ – „Weil es sich gerade so angehört hat, als sei hier etwas passiert“ – „Ach ja – nee, alles gut“;-)

Zum Glück war auch alles gut, ich hatte zwar ordentlich einen auf´s Knie bekommen, aber die Kameras waren heil geblieben und alles gut. Es folgte ein wunderbar entspanntes „Getting Ready“ mit einer Menge Spaß. Ich mag es, wenn alles locker ist, sowie eine wundervolle Trauung.

Angekommen am Rittergut Lucklum, stand für uns das Brautpaarshooting auf dem Programm. Wir suchten uns ein nettes, ruhiges Plätzchen im Park und genossen die Zeit.

Während des Shootings verwandele ich meinen „Nachteil“ eines defekten Sinnesorgans in einen Vorteil, indem ich an einer gewissen Stelle meine nötigen Hilfen aus dem Ohr nehme und was soll ich sagen: das Gras war hoch und das Gelände unwegsam und 15 Minuten später fand ich in meinen Taschen nur noch für ein Ohr eine entsprechende Unterstützung wieder.

Ich will gar nicht weiter ausholen, aber 2 Stunden habe ich Nachts nach der Feier noch im hohen Gras gewühlt. Meine liebe Freundin hat mich freundlich in einer WhatsApp darauf hingewiesen, dass ich den Rückweg ohne beide Hörhilfen gar nicht erst antreten bräuchte und ich aufgrund des hohen finanziellen Wertes suchen sollte – egal wie lang.

Am nächsten Morgen brachte der Vater vom Bräutigam dann noch einen Metalldetektor mit. Leider brachte auch das gute Stück nicht meine Hörhilfen zurück ans Tageslicht. Weitere 2 Stunden in der prallen Sonne auf Knien im hohen Gras brachten leider nicht den nötigen Erfolg und so trat ich trotz der schlimmen Schelte zu Hause bewusst den Heimweg an 😉

In der Zwischenzeit besitze ich wieder zwei kleine Männer im Ohr. Meine Freundin hat mich immer noch lieb und es hat nicht wirklich so viel Geld gekostet, wie wir dachten, denn es ist nicht unüblich, dass die Dinger hier und da verschwinden und die Kassen zahlen entsprechend. Mein geliebter Akustiker wird auch noch sein Geld daran verdient haben und ich hoffe einfach nur, dass in Braunschweig ein kleines, ehemals hörgeschädigtes Eichhörnchen auf dem Baum sitzt und sich des Lebens über seine neue Hörhilfe freut 😉

no comments
Add a comment...

Your email is never published or shared. Required fields are marked *